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Endlich in Pittsburgh - mein Abenteuer kann beginnen

Nachdem ich meinen Urlaub in New York eine Woche früher als geplant abgebrochen hatte, fing auch mein Praktikum im Künstlermanagement des Pittsburgh Symphony Orchestras eine Woche früher an. Ich bin wirklich froh, dass das so kurzfristig geklappt hat!

 

An der Pforte wurde ich abgeholt und traf mich erstmal auf einen Plausch mit dem COO des Orchesters, der aus Deutschland kommt und ohne den mein Praktikum gar nicht stattfinden würde. Denn er und seine Assistentin haben keine Mühen gescheut, zahlreiche Dokumente für mein Visum ausgefüllt, ein Interview mit einer Organisation geführt, die mir mein Visum verschafft hat, und sich trotz der vielen Arbeit dafür eingesetzt, dass ich heute hier sein kann. Wir haben es uns in seinem Büro gemütlich gemacht, ich hab von New York erzählt, er von seiner Arbeit. Dann hat er mich durch das Gebäude geführt und mir meine Kollegen vorgestellt: Das Artistic Department besteht aus drei Mitarbeitern, alle wahnsinnig nett und froh, dass ich da bin. Ich habe sogar mein eigenes kleines Büro, das zwar vollgestellt ist mit allem möglichen und unmöglichen Kram, aber genug Platz bietet zum Arbeiten.

 

Direkt nebenan im Orchestermanagement gibt es auch eine Praktikantin, die studiert allerdings hier an der Uni und wird von dieser sogar für ihre Arbeit bezahlt! Da staune ich wirklich nicht schlecht, das sollten die Unis in Deutschland auch mal tun, dort gibt es immer noch viel zu viele unbezahlte Praktika. Jedenfalls ist auch sie – wie sollte es anders sein – wahnsinnig nett! Sie hat mir eine Liste geschrieben, wo man mittags was leckeres zu essen findet, das bezahlbar ist, wo gute Einkaufsmöglichkeiten sind, akzeptable Wohnviertel, … Nachdem wir mir auch noch eine Busfahrkarte für die nächsten Tage besorgt hatten, war ich endlich bereit zu arbeiten. Aber so viel gab es noch gar nicht zu tun für mich. Ich habe alle Ordner angeschaut, auf die ich Zugriff habe und versucht, mit der Software klarzukommen, die fast jedes Orchester in Amerika fürs Management benutzt. Aber naja, das geht vermutlich am besten mit learning by doing.

 

Wie ein echter Praktikant das eben so macht, habe ich anfangs Listen angelegt: für jedes einzelne Konzert der Saison, wer alles nach Backstage darf und wer Gäste mitbringt. Außerdem bin ich gerade dabei, eine Excel-Tabelle für Ein- und Ausgaben zu erstellen und auch schon die ersten Zahlen einzutragen.

 

Jaja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: Das klingt alles furchtbar langweilig und typisch Praktikantenarbeit!

 

Und das stimmt, eine Excel-Tabelle ist nie spannend. Aber erstens ist es interessant, wer wofür wieviel Geld bekommt (und zwar in den meisten Fällen ganz schön viel!) und zweitens – und fast noch wichtiger –  ist meine Arbeit sinnvoll. An Hausarbeiten für die Uni stört mich am meisten, dass ich den Sinn nicht sehe. Ich habe immer so wenig Zeit dafür, dass ich mich nicht intensiv mit dem Thema auseinander setzen kann, meistens kann ich mich zwei Monate später nicht einmal daran erinnern, worüber ich eigentlich geschrieben habe. Außerdem investiere ich viele, viele Stunden in eine Arbeit, die ein Professor kurz überfliegt. Wozu das alles?
Bei dieser Excel-Tabelle konnte ich mir ganz sicher sein, dass es eine wirklich große Hilfe ist, dass ich das mache. Weil diese Tabelle sehr wichtig ist und die anderen gar keine Zeit hätten, sie anzulegen. Da macht doch gleich die langweiligste Arbeit mehr Spaß.

 

Und zum Glück sitze ich nicht die ganze Zeit nur am Schreibtisch, sondern habe auch mit der Musik an sich zu tun: ich habe mir Proben angehört und war beim ersten Konzert der Saison letztes Wochenende. Dabei ist mir aufgefallen, wie leise das PSO spielen kann. Ein wunderschönes, sanftes Pianissimo, leiser als die meisten anderen Orchester. Heute wurde mir klar, warum das so ist: Bei einem offenen Interview für Publikum hat der Dirigent erzählt, wie wichtig ihm die leisen Töne sind. Wie oft er den Musikern sagt, sie sollen noch leiser spielen. Und dem Orchester hört man an, wie wichtig ihm das ist.

 

Meine erste Woche war nicht die spannendste Woche und nicht die lehrreichste, aber dennoch sehr interessant und sie hat definitiv Lust auf mehr gemacht! Mit der Zeit werde ich mehr und anspruchsvollere Arbeit bekommen, irgendwann sogar ganz allein für einen Solisten oder Dirigenten zuständig sein. Bis dahin muss ich mich aber erst noch einleben, Abläufe kennen lernen, Selbstbewusstsein tanken.