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Halloween in Amerika

Wer kennt es nicht: Als Kind an Halloween von Haus zu Haus ziehen, um mit „Süßes oder Saures“ genug Süßigkeiten für den Zuckerschock des Jahrhunderts zu sammeln. Mir war das eigentlich immer sehr verhasst, hab ich doch die Sinnhaftigkeit des Ganzen nie verstanden. Süßigkeiten, klar, das war ein Argument! Aber dafür ewig von Haus zu Haus ziehen, noch dazu in alberner Verkleidung, die absolut nicht gruselig ist?! Und dann schmecken nicht mal alle Süßigkeiten. Weil man an ein Haus geraten ist, dessen Bewohner nur die Süßigkeiten verschenken, die sie selbst nicht essen wollen – wie das zum Beispiel meine Mutter immer gemacht hat. Im Nachhinein sehr verständlich, ich werde das später vermutlich genauso machen. Oder gar nicht erst aufmachen.

 

Sowas kommt für den von Natur aus überaus freundlichen Amerikaner natürlich gar nicht erst in Frage. Wer sich hier anpassen will, muss am Tag vorher genug einkaufen, damit die Leckereien nicht ausgehen. Idealerweise wird das Haus und der Vorgarten thematisch geschmückt, am besten schon ab Mitte September, damit auch jeder weiß, welches Fest als nächstes ansteht.

 

Mal ganz hübsch anzusehen:                                                                                  Aber meistens eher verstörend:

 

Eine Laterne für den Garten, die aussieht wie ein geschnitzter Kürbiskopf zu Halloween
Halloween - Gartenlaterne
Ein Skelett mit Piratenhut im Vorgarten als Dekoration für Halloween in Amerika
Skelett im Vorgarten

Am frühen Abend wird dann rund eine Stunde im Hausflur verharrt, da auf den Straßen Heerscharen von Prinzessinnen, Hasen, Hexen, Gespenstern und ähnlichem unterwegs sind. Überraschend war für mich die Vielfalt an Kostümen, die sich mitnichten auf gruselige Vorbilder beschränkt. Entfernt man sich nur kurz von der Haustüre, so kann man sicher sein, dass es sofort klingelt. Eigentlich kann man die Tür gleich offen lassen, denn die Kinder geben sich gewissermaßen die Klinke in die Hand.

 

Manche Kinder kommen allein, die meisten haben jedoch ihre Eltern dabei. Von diesen gibt es zweierlei Sorten: Die einen, die auf der Straße warten und mit anderen Eltern ein Schwätzchen halten. Und die anderen, die ihr Kind auf Schritt und Tritt begleiten, um ihnen die entscheidenden Worte „trick or treat“ in den Mund zu legen.

 

„Trick or treat“ ist in etwa die englische Entsprechung zu „Süßes oder Saures“, wortwörtlich übersetzt heißt es sowas wie „Gib uns Süßes, sonst spielen wir dir einen Streich“. Als Beispiel wurden mir Eier genannt, die gegen die Häuserwände geworfen werden. Vielleicht sind die Amerikaner deswegen so nett. Eigentlich wollen sie nur ihr eigenes Hab und Gut vor „tricks“ schützen. Ich vermute aber, dass „trick or treat“ in Amerika ebenso eine bloße Floskel ist wie „Süßes oder Saures“ in Deutschland. Oder hat je einer von euch keine Süßigkeiten bekommen nach diesem Spruch?

 

Was die Deutschen in Sachen Halloween den Amerikanern auf jeden Fall voraus haben: den Feiertag! Den haben wir zwar nicht Halloween zu verdanken, dafür aber Martin Luther, der vor lauter Halloween selbst in Deutschland völlig untergeht. Auch wenn dort auf den Straßen deutlich weniger Gruselmonster unterwegs sind als hier in Amerika.

 

Ich jedenfalls freue mich schon auf das nächste Fest, das dann auch hier mit einem Feiertag verbunden ist: Thanksgiving!

 

 

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