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Happy Thanksgiving

Thanksgiving – das Fest aller Feste in den USA. Ich habe mich schon Wochen davor darauf gefreut, dieses Fest mit all seinen Traditionen hier zu feiern. Letztendlich hatte ich sogar mehr als nur ein Thanksgiving, aber dazu gleich mehr. Erstmal etwas Kulturgeschichte:

 

Ursprung

In der Schule wird den Amerikanern wohl erzählt, dass die Pilger im 17. Jahrhundert ein Erntedankfest zusammen mit amerikanischen Ureinwohnern feierten, und dies wohl das erste Thanksgiving überhaupt war. Den Kolonisten wäre ohne die Hilfe der Ureinwohner das Essen ausgegangen. Deshalb wird Thanksgiving seitdem als Fest des Zusammenhalts, des gegenseitigen Helfens und des Friedens gefeiert. Einige meinen sogar, die Ureinwohner hätten schon viel früher dieses Erntedankfest gefeiert, die Tradition käme folglich von ihnen. Belege gibt es für die ganze Geschichte keine – es bleibt ein Mythos. Aber eben ein sehr gepflegter. Denn mir wurde erzählt, dass amerikanische Schüler erst Jahre später erfahren, wie die Kolonisten wirklich mit den Ureinwohnern umgesprungen sind.

 

Nichtsdestotrotz ist Thanksgiving das größte Familienfest in den USA, der Ursprung ist ja auch mehr oder weniger egal, Hauptsache das Essen ist gut!

 

Das traditionelle Thanksgiving-Menü (plus diverse Erweiterungen)

Das Highlight des traditionellen Thanksgiving-Menüs: der Truthahn, frisch aus dem Ofen geholt

Das Wichtigste zuerst: Der Truthahn! Für Deutsche ist dieser Riesenvogel relativ unbekannt, aber wenn ich hier zugebe, noch nie zuvor gebratenen Truthahn gegessen zu haben, werde ich beäugt wie ein Marsmensch. So richtig was verpasst hab ich aber anscheinend nicht, Truthahn schmeckt irgendwie wie Hühnchen – da hat das Känguru recht behalten.

 

Dennoch wird den ganzen Tag ein irrer Aufwand betrieben, um ein einmaliges Menü rund um den Truthahn vorzubereiten. Schon ab den frühen Morgenstunden wird gebraten, Truthahn mit fantastischem Stuffing gefüllt (das leckerste am ganzen Menü!!), Kuchen gebacken, Soße angerührt und und und …

 

Am Ende passt meist gar nicht alles auf den Tisch, was angeboten wird:

 

Das traditionelle Thanksgiving-Menü: Truthahn mit Bratensoße, Cranberrysoße, Kartoffelbrei und Gemüse - und Shushi
Truthahn, Bratensoße, Süßkartoffeln (vorne links), Cranberrysoße, Sushi, Kartoffelbrei und "Brot"

Neben Truthahn gibt es traditionell Kartoffelbrei, sowohl mit salzigen als auch mit Süßkartoffeln, Bratensoße, Cranberrysoße, und diverses Gemüse. Ganz nach Saison meist unter anderem Mais und Kürbis. Das Menü lässt sich natürlich nach Belieben erweitern, in meinem Fall durch Sushi. Denn ein Teil der Familie, die mich eingeladen hatte, stammt aus Japan.

 

Nachdem die Hälfte übrig geblieben ist, fällt jeder ins Fresskoma. Das lässt sich an Thanksgiving aber prima auf den Truthahn schieben, der enthält angeblich Substanzen, die müde machen. Eigentlich in viel zu geringen Mengen, um wirklich zu wirken, aber man kann es sich ja wenigstens einreden …

 

Da bekanntlich im Kopf immer noch Platz ist für Süßigkeiten, gibt es eine große Auswahl verschiedener Kuchen. Ganz traditionell ist eigentlich nur der Pumpkin Pie, aber seien wir mal ehrlich, wirklich lecker ist der nicht! Ich hab mich da lieber an den Pie mit Beeren und Lavendel und an den Apple Pie mit Cranberrys gehalten. Mjammjammjam!

 

Nachtisch des Thanksgiving Essens: Pumpkin Pie. Hier im Bild mit zwei weiteren Pie Sorten: Beeren Pie mit Lavendel und Apple Pie mit Cranberrys
2x Pumpkin Pie (links), Berren Pie mit Lavendel und 2x Apple Pie (rechts)

Traditionen rund um Thanksgiving

Sobald man auch nur halb verdaut hat, kann man sich auch schon auf die Straßen begeben und sich in den Geschäften von Black-Friday-Shoppern überrennen lassen. Um den legendären Freitag voller Rabattaktionen voll auszukosten, öffnen die meisten Läden schon am Thanksgiving-Abend – zum Leidwesen aller Verkäufer! Zum Glück ist meiner Gastfamilie die gemeinsame Zeit deutlich wichtiger und wir verbringen einen wirklich schönen Abend voller interessanter und lustiger Gespräche miteinander. Am Ende wird noch Poker gespielt – eine der familieneigenen Thanksgiving-Traditionen:

 

Einmal im Jahr morgens Football spielen, einmal im Jahr Truthahn essen, einmal im Jahr Poker spielen.

 

Wobei die meisten Amerikaner mehr als einmal Truthahn essen. Schließlich wollen sie auch aus Thanksgiving alles rausholen, was geht. Man feiert also Thanksgiving in der Kirchgemeinde, Friendsgiving mit Freunden, bekommt vom Arbeitgeber ein Thanksgiving-Lunch spendiert, und als Krönung gibt es natürlich an Thanksgiving direkt das große Festessen mit der eigenen Familie und – zu meinem Glück – gerne auch mit vielen Freunden und Bekannten.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Opa (Montag, 26 November 2018)

    vielleicht doch schon gegessen: Putebschnitzel oder Putenbrust?

  • #2

    Paula (Montag, 26 November 2018 15:13)

    Ich meinte auch mehr: noch nie in der Form. Noch nie im Ganzen in den Ofen geschoben. Und wenn als Schnitzel, dann nur paniert.