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Ich bin umgezogen

Wo ich wohne ist für mich sehr wichtig. Ich brauche einen Ort, wo ich meine Ruhe habe und mich ungestört zurückziehen kann. Einen Ort, an den ich immer wieder gern zurückkehre und wo ich mich uneingeschränkt wohl fühle. Ein Zuhause.

 

Andere leben in dreckigen, dunklen, abgeranzten Zimmern – mir absolut unverständlich. Ich kann das nicht. Zumindest nicht mehr. Wenn man meine Eltern fragt, war meine erste WG ein absoluter Schandfleck. Und damit haben sie gar nicht mal so Unrecht: Wirklich sauber war es dort selten, mein Zimmer war winzig und die Wohnung sehr dunkel. Trotzdem habe ich mich dort wohl gefühlt, weil ich die besten Mitbewohner hatte, die man sich nur vorstellen kann.

 

Seitdem bin ich fünf Mal umgezogen und hatte dieses Glück nicht mehr, tolle Mitbewohner zu haben. Entweder sie haben nicht geputzt, nicht mit mir geredet, oder sich so sehr an den jeweiligen Freund geklammert, dass ich mir unsichtbar vorkam. Deswegen bin ich vor einem Jahr in meine erste eigene Wohnung gezogen und schätze seitdem mein eigenes Reich. Nicht nur ein eigenes Zimmer, sondern ein eigenes Bad, eine eigene Küche. Alles gehört nur mir, ich putze nur meinen eigenen Dreck weg, kann in aller Ruhe morgenmuffelig sein und nach dem Frühstück das Geschirr stehen lassen.

 

Auf WG-Suche

Hier in Pittsburgh wollte ich das WG-Leben nochmal ausprobieren. Leichter gesagt als getan. Denn gerade endet hier das eine Semester, das nächste beginnt im Januar. Ich bin also zur komplett falschen Zeit hier, da die Studierenden ihre Zimmer wenn, dann für ein Semester untervermieten, aber nicht für zwei halbe Semester. Und außerhalb des Uni-Umfelds ein möbliertes Zimmer zu finden, ist nahezu unmöglich. Zumindest wenn man nicht unbegrenzt Geld hat. Ich hatte zwischendurch ein tolles Zimmer gefunden, möbliert, und sogar bezahlbar. Aber als der Vermieter hörte, ich wolle nur fünf Monate bleiben, hieß es: „Das ist ja Kurzzeitmiete, dann berechne ich Ihnen den doppelten Preis.“ Ich bin aus allen Wolken gefallen, da schon der normale Preis so hoch war wie die Miete für ein Zimmer in München oder Frankfurt.

 

Mal wieder hatte ich Glück, dass an dem Klischee, alle Amerikaner seien unfassbar freundlich, etwas dran ist. Denn über zwei Monate habe ich jetzt im Haus eines Fagottisten des Pittsburgh Symphony Orchestras gewohnt – umsonst! Ich werde ihm und seiner Frau ewig dankbar sein, dass sie mir meinen Start in Pittsburgh erleichtert haben und ich wegen ihnen sehr, sehr viel Geld sparen konnte. Aber eine Dauerlösung war das nicht, dafür war unser Verhältnis zwar gut, aber nicht gut genug. Außerdem kriegen sie jetzt im Dezember Gäste, denen sie gern ihr Gästezimmer anbieten würden. Und ich habe in den letzten Wochen immer mehr gemerkt, wie gerne ich alleine wohne. Und wie wenig ich die beiden winzigen Chihuahuas vermissen werde, die jedes Mal die komplette Nachbarschaft in Alarmbereitschaft versetzt haben, wenn sie auch nur den kleinsten Mucks von draußen gehört haben. Den flauschigen Golden Retriever-Mischling werde ich dafür umso mehr vermissen! Ebenso wie Davids fantastische Kürbissuppe oder seine Buchempfehlungen.

 

Highland Park

Aber ich bin immerhin dem Stadtviertel treu geblieben:

 

Schild mit der Aufschrift "Highland Park". Das ist ein Stadtviertel Pittsburghs.

Es ist hier sehr ruhig, die meisten Häuser sind wunderschöne alte Einfamilienhäuser mit viel Garten drum rum. Es gibt einige kleine Lädchen, einen Einkaufsladen mit sehr guten frisch gebackenen Bretzeln und Croissants, und mindestens einmal am Tag läuft mir eines dieser süßen Tierchen über den Weg:

 

Ein Eichhörnchen in einem Baum in Highland Park, einem Stadtviertel in Pittsburgh

Meine kleine Wohnung habe ich über Airbnb gefunden. Sie ist gemütlich, außergewöhnlich gut geheizt (ich will nicht wissen, wie viel Amerikaner fürs Heizen ausgeben, die Fenster könnte man fast weg lassen, so sehr zieht es da durch!), und ich hab mich auf den ersten Blick verliebt und wusste: Das wird mein neues Zuhause.

 

Meine Airbnb-Wohnung in Pittsburgh: klein aber fein.
Meine kleine. gemütliche Airbnb-Wohnung in Pittsburgh

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