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Künstlermanagement - was ist das?

Vorbereitung auf ein Konzert

Ein Programmheft des Pittsburgh Symphony Orchestras für zwei Konzerte, eins mit Dvořáks 9. Sinfonie "Aus der Neuen Welt", eins mit Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert.
Programmheft des Pittsburgh Symphony Orchestras

“Was studierst du?”

“Musikwissenschaft.”

“Aha … (lange Pause) … und was macht man damit später mal?”

“Unterschiedlich, im Prinzip kann man alles machen, was irgendwie mit Musik zu tun hat. Ich finde Dramaturgie oder Künstlermanagement ganz cool.”

“Aha … klingt ja … interessant …”

So oder so ähnlich – schon oft geführte Gespräche. Die meisten haben keine Ahnung, wovon ich spreche. Deshalb möchte ich heute endlich mal wenigstens eins davon genauer erklären. Und zwar das, was ich hier im Praktikum die ganze Zeit tue. Künstlermanagement. Artistic Planning.

 

Wie der Name schon sagt, geht es darum, dem Künstler den Rücken zu stärken. Aber nicht allen, denn das Orchester hat ein eigenes Management, Orchestermanagement. Nur Solisten und Dirigenten fallen also zu Künstlermanagement. Die werden hier von uns umsorgt und betüddelt. Damit sie sich möglichst nur auf ihre Kunst konzentrieren müssen, sich hier wohl fühlen, und im besten Falle wiederkommen, um in Konzerten der nächsten Spielzeiten wieder als Solist oder Dirigent mitzuwirken.

Genauer gesagt bedeutet das:

 

Dauerhaft

Ein guter Künstlermanager sollte gut über den internationalen Markt informiert sein, die guten Solisten und Dirigenten kennen, die auf den Bühnen der Welt – in der Carnegie Hall, der Elbphilharmonie, der Pariser Philharmonie – mit den Orchestern aus Boston, San Francisco, New York, Paris, Berlin, Wien zusammenspielen. Und diejenigen kennen, die gerade erst dabei sind, diese Bühnen zu erobern. Denn am besten hat man für eine Spielzeit sowohl international schon sehr bekannte Künstler, als auch junge Rising Stars engagiert.

 

1-2 Jahre vor dem Konzert

Mit dem Management des jeweiligen Künstlers wird der Terminkalender gezückt, das Programm des Konzerts und das Gehalt festgelegt. Letzteres ist gerne mal halb so viel in einer Woche, wie Normalsterbliche – zugegeben Berufseinsteiger – in einem Jahr verdienen. Nur, um mal die Verteilung zu klären … Allerdings haben viele ihr komplettes Leben in diesen Beruf gesteckt. Da war nix mit jahrelang rumgammeln, zwei Studiengänge anfangen und abbrechen, bis man sich irgendwann für einen Beruf entschieden hat. Die meisten wirklich erfolgreichen Musiker beginnen spätestens mit zehn Jahren, ihre halbe, wenn nicht gar komplette Freizeit mit ihrer Musik zu verbringen. Außerdem schaffen es natürlich nur die wenigsten, irgendwann als Solist oder Dirigent erfolgreich zu werden. Viele finden nach ihrem Studium nicht einmal einen Job in einem Orchester, sondern schlagen sich als Lehrer oder verkappte Musikwissenschaftler durchs Leben. Also kann ich den wenigen, die es geschafft haben, ihr Geld auf jeden Fall gönnen. Zumal sie einfach unfassbar gute Musik machen, die mich (fast) jedes Mal total begeistert, mein Herz aufgehen, und mich vor Neid ob so viel technischer Fingerfertigkeit erblassen lässt.

 

3-6 Monate vor dem Konzert

Doch bevor ich die Musik genießen kann, müssen erst noch Visa beantragt, Flüge und Hotels gebucht, Probenabläufe geklärt und Interviews mit Radio oder Fernsehen zwischen die Probenzeiten gequetscht werden. Büroarbeit also, die man hauptsächlich mit Emails schreiben und/oder telefonieren verbringt.

 

Ist das alles geschafft, kehrt erstmal Ruhe ein, bevor es dann in der Konzertwoche so richtig losgeht. Mehr davon folgt bald.

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