Was macht ein Abenteuer aus?

Abenteuer. Das vermittelt einen Hauch von Einzigartigkeit, Gefahr, Mut. Das hat eine Anziehungskraft auf mich, die ich gar nicht richtig beschreiben kann. Vielleicht, weil es nicht fassbar ist. Denn was ist ein Abenteuer überhaupt? Als erstes fallen mir dazu große Reisen ein, die für mich unglaublich weit weg und unerreichbar klingen, wie die Besteigung des Mount Everests oder eine Weltreise. Aber ist es nicht auch ein Abenteuer, zum ersten Mal einen Baum zu pflanzen oder eine Familie zu gründen? Gibt es Abenteuer im Alltag?

 

Neulich habe ich einen Blogartikel gelesen, der sich mit genau diesen Fragen beschäftigt und mich sehr inspiriert hat: https://www.tberg.de/abenteuer-erleben/
Weil er Mut macht, sich seine eigenen Abenteuer zu suchen, anstatt allgemein propagierten Vorstellungen von „Abenteuer“ hinterher zu rennen. Weil er mich inspiriert hat, mich mit meinem eigenen Abenteuer auseinander zu setzen: meinem Auslandspraktikum beim Pittsburgh Symphony Orchestra.

 

Abenteuer brauchen mut

Seit ich vor mittlerweile fast zwei Monaten in den USA angekommen bin, war ich so mutig, wie noch nie zuvor. Ich würde mich generell nicht als ängstliche Person einschätzen, aber jemand Fremden zu fragen:

 

„Hey, wir kennen uns noch nicht, aber willst du mit mir nen Kaffee trinken gehen?“,

 

das hätte ich mich früher nie getraut! Hier hab ich es einfach gemacht. Und das mehr als einmal. Und gern auch dieselbe Person mehrmals, falls nicht sofort eine Verabredung zustande kam. Da ich hier niemanden kenne, bin ich gezwungen, auf Leute zuzugehen. Zugegeben, das ist nicht unbedingt meine Stärke ... Aber – Überraschung! – keiner hat blöd reagiert. Das könnte ich jetzt auf die überfreundliche Mentalität der Amerikaner schieben, das würde allerdings nur zur Hälfte stimmen. Die Wahrheit ist, dass man viel zu oft vor Dingen Angst hat, die eigentlich gar nicht so furchterregend sind. Ob es die Angst davor ist, wichtige Telefonate zu führen, aus der Heimatstadt wegzuziehen oder eine feste Partnerschaft einzugehen – es ist oft die Angst vor Neuem, Unbekanntem.

 

Der eigene Körper vermittelt einem das Gefühl von Angst, wenn er denkt, er schwebe in Lebensgefahr. Wenn man zum Beispiel ganz nah an einem tiefen Abgrund oder einem gefährlichen Tier gegenüber steht. Aber ganz oft habe ich dieses Gefühl auch in Situationen, die mein Leben absolut nicht bedrohen. Ob ich fremde Menschen anspreche oder nicht, führt in keinem Fall zu meinem Tod. Auch nicht die Tatsache, dass ich jetzt ein halbes Jahr weit weg von meinen Freunden und meiner Familie bin, auf einem fremden Kontinent, in einer fremden Stadt mit fremder Sprache und fremden Gewohnheiten.

 

Trotzdem hatte ich Angst davor. Obwohl ich das Auslandspraktikum schon lange geplant hatte, wurde mir erst kurz vor dem Abflug nach New York bewusst, was das wirklich bedeutete. Wie viel Neues auf mich zu kam, wie viel Angst ich vor diesem Neuen hatte. Und ehrlich gesagt manchmal immer noch habe.

 

Immer wieder überwinde ich diese Angst. Bin trotz der Angst in das Flugzeug nach New York gestiegen, habe trotz der Angst jeden Tag verzweifelt nach einer Wohnung in Pittsburgh gesucht, habe immer wieder bis dato fremde Personen angesprochen, die mir mittlerweile nicht mehr fremd sind. Denn der Mut für Neues hat sich ausgezahlt. Ich fühle mich hier wohl, bin froh, hier wohnen und arbeiten zu können, neue Freundschaften zu schließen und mehr von der Welt kennen zu lernen.

 

Meine ganz persönliche Abenteuerreise

Natürlich ist das Große und Ganze, mein Auslandspraktikum in all seinen Facetten, ein riesiges Abenteuer. Aber eines, das sich zusammensetzt aus vielen kleinen Abenteuern. Einem Urlaub ganz alleine in New York. Einem ersten Arbeitstag beim Pittsburgh Symphony Orchestra. Einem zweiten, und dritten … Einem Ausflug zum Presque Isle State Park.

 

Einer kleinen Frage nach einem Kaffee.

 

Der Mut, Neues zu erleben, bringt mich immer wieder zu neuen Abenteuern. Denn was ein Abenteuer ausmacht, ist der Nervenkitzel. Die Ungewissheit, was folgt. Eigentlich ist das ganze Leben ein Abenteuer.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Torsten (Dienstag, 06 November 2018 09:20)

    Liebe Paula,

    danke für deinen Beitrag. Cool, was du machst! :-) Ich kenne diese Situationen zur Genüge, wenn man etwas Neuem gegenüber steht. Manchmal kostet es schon Überwindung aus seiner Komfortzone herauszukommen. Aber dann merkt man, es tut meistens gar nicht weh! Viel Erfolg, Spass und Freude bei deinem Auslandspraktikum.

    Beste Grüsse

    Torsten

  • #2

    Bettima (Montag, 19 November 2018 20:08)

    Liebe Paula,
    das ist ein sehr schöner Artikel! Du hast ja so recht! Es muss keine Mount Everest Besteigung sein. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen herausfordern und glücklich machen. Hab eine schöne Zeit in Pittsburgh!
    Liebe Grüße
    Bettina