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Oh Holy Night

Weihnachtstraditionen in den USA

Der Weihnachtsbaum beim Rockefeller Center in New York City.

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt natürlich auch für Weihnachten. Es war mein erstes Weihnachten, das ich nicht bei meiner Familie verbracht habe. Das erste Weihnachten in einem fremden Land, mit neuen Freunden und neuen Traditionen. Ich muss zugeben, ein bisschen Angst hatte ich schon davor. Angst vor Heimweh, vor Einsamkeit. Zum Glück völlig unbegründet. 

 

Geschenke

Leider kam keines der Pakete aus Deutschland rechtzeitig zu Weihnachten an, aber das entsprach dann immerhin der amerikanischen Tradition, die Geschenke nicht schon am 24.12. auszupacken. Allerdings ist hier am Morgen des 25.12. Bescherung – da hatte ich immer noch keine Geschenke, stattdessen saß ich im Bus nach New York City, ganz unweihnachtlich und vor allem viel zu früh! Auch, weil der vorherige Abend recht lang war. Immerhin bin ich dadurch der Tradition entgangen, dass viele Familien Bescherung noch im Schlafanzug machen, und zwar am liebsten in identischen Schlafanzügen für alle, was ich mal wieder für etwas übertrieben halte.

 

Weihnachtslieder

Ich habe Christmas Eve bei meiner Ersatz-Familie gefeiert, die mich schon seit Thanksgiving so gut wie adoptiert hat, und mir am Nikolaustag ein himmlisch leckeres Essen mit Spätzle, Sauerkraut, Braten und selbstgemachtem Glühwein gezaubert hat. Erst ging es in die Kirche, wo der Gottesdienst wie wohl jedes Jahr mit „Silent Night“ bei Kerzenschein endete – die perfekte Stimmung, um in den Heiligen Abend zu starten, diese Tradition gefällt mir. Endlich mal Ruhe, nach etlichen Christmas Pops Konzerten in den letzten Wochen, bei denen ich übrigens unter anderem das Weihnachtslied „Oh Holy Night“ kennen gelernt habe – im Gegensatz zu „Jingle Bells“ oder „Do You Hear What I Hear?“ eins der schöneren englischen Weihnachtslieder. Zu den Klassikern gehört auch „Sleigh Ride“, dessen Orchesterfassung mir den ganzen Dezember nicht aus dem Kopf ging, da ich es fast jede Woche auf Arbeit zu hören bekam.
Gesungen im familiären Kreis wurde danach leider nicht mehr. Da habe ich die Schmetterkünste meines Vaters und Großonkels schon ein bisschen vermisst.

 

Festtagsessen

Das Essen war eher so lala: im Gegensatz zu dem in meiner Familie traditionellen Entenbraten mit Knödeln und Rotkraut gab es geschmacklosen Reis mit Curry, und Sandwiches aus labbrigen Broten, Ham, Tomate und Salat. Die Mayonnaise hab ich lieber weggelassen. Manchen Traditionen musste ich mich eben doch erwehren. (Knödel sind hier gar nicht so bekannt, vermutlich lassen sich aus dem "Brot" hier eh keine richtigen Semmelknödel machen)

 

Was wirklich zählt

Dennoch habe ich den Abend in sehr guter Erinnerung, umgeben von Freunden, leuchtendem Weihnachtsbaum und ruhiger Festtagsstimmung. Bis auf das Auspacken der Geschenke doch relativ ähnlich zu den mir bis dahin bekannten Weihnachtsfesten. Und dabei fehlte es mir an nichts, gutes Essen und Geschenke gehören zwar schon zu Weihnachten dazu, sind aber doch nicht das Wichtigste - das sind die Menschen, mit denen man diesen Tag verbringt.

 

Erstaunlicherweise hatte ich keinerlei Heimweh, habe mich so weit weg von meiner Familie nicht verloren gefühlt. Im Gegenteil, ich war glücklich, fühle mich hier in Pittsburgh zuhause. Denn das hat für mich wenig mit Orten, sondern mehr mit Menschen zu tun: Wenn ich Freunde finde, hier sogar eine Art Familie, dann bin ich daheim. Das heißt nicht, dass ich meine Freunde und Familie aus Deutschland nicht vermisse! Ich freue mich irre auf März, wenn ich sie alle wieder sehe. Ab und zu telefonieren ist halt nicht dasselbe wie sich sehen, umarmen, in die Augen sehen beim Reden, und das Leben des Anderen aktiv mitbekommen.

 

Ich habe mich auch irre gefreut, als ich meinen Freund in New York City getroffen habe, ihm diese faszinierende Stadt zeigen konnte und auch meine jetzige Heimat, Pittsburgh. Und ich freue mich, ihn jetzt endlich wieder neben mir zu haben anstatt nur mit ihm zu skypen. Auch wenn dieses Vergnügen leider nur von kurzer Dauer sein wird, in einer Woche fliegt er wieder zurück. Bis dahin haben wir allerdings noch viel vor, werden unter anderem die Niagara Fälle besichtigen, das wird ein Highlight! Von unserer Zeit in New York City, der Stadt, die mich zwar weihnachtlich, aber dennoch voller Hektik, Größenwahn und bunter Vielfalt empfing, erfahrt ihr bald. Bis dahin einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

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