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Geburtstag in der Fremde - wie wichtig ist mir dieses Fest?

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Ich habe öfters das Problem, dass mein Geburtstag in die Anfangszeit an einem neuen Ort fällt. Nach dem Abi, als ich für den Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung zum ersten Mal ausgezogen bin. Am Beginn meines Studiums, als ich ganz neu in Weimar war. Und auch jetzt wieder: Ich bin erst seit einem Monat hier in Pittsburgh und fange gerade erst an, Freundschaften zu schließen. Es gibt noch nicht wirklich jemanden, mit dem ich meinen Geburtstag feiern würde.

 

Also hatte ich beschlossen, ihn einfach gar nicht zu feiern. Eigentlich ist das doch gar nicht so wichtig. Außerdem wollte ich niemandem unter die Nase reiben, dass ich Geburtstag habe und er/sie an diesem Tag dann ganz besonders nett zu mir sein oder mir sogar was schenken muss. Ja, ich weiß, das sind vermutlich viel zu viele Gedanken über Andere, schließlich geht es um meinen Geburtstag, um mich.

 

Das schönste Geschenk

Jedenfalls wusste (fast) niemand, dass ich Geburtstag hatte. Ich kam ganz normal zur Arbeit. Das Pittsburgh Symphony Orchestra spielte ein Konzert, Maximilian Hornung war Gastsolist, spielte Schostakowitschs 1. Cellokonzert – das war eigentlich schon genug Geburtstagsgeschenk! Zum einen ist er ein sensationell guter Cellist, spielte kraftvoll, energiegeladen, ohne den Ton durch zu viel Kraft zu verkratzen. Er erzeugte Gänsehaut mit Horrorfilm-Stimmung (bei Minute 14:45) und holte alle Gefühle hervor, die dieses Konzert zu bieten hat, von Wut über Angst bis zu Trauer und Lähmung.

 

Zum anderen war es aber auch das erste Wochenende, an dem ich alleine Ansprechpartnerin für einen Künstler war. Natürlich für Max, sowohl die gemeinsame deutsche Sprache als auch die gemeinsame Liebe zum Cello waren dafür verantwortlich. Meine Kollegen wussten schließlich, dass ich schon seit Wochen auf diese Konzerte hin fieberte. Die neue Verantwortung war aufregend, interessant (auch wenn Signiertisch herrichten, gekühltes Bier bereit stellen oder Blumen besorgen für manch einen vermutlich nicht so spannend klingt) und durch den Kontakt zu Max inspirierend fürs eigene Cellospiel. So verbringe ich wirklich gerne noch viele weitere meiner Geburtstage!

 

Ich war also vollkommen glücklich mit meiner Arbeit, bekam sogar noch eine signierte CD von Max – die werde ich in Ehren halten!

 

Maximilian Hornungs neue CD mit dem 1. Cellokonzert von Schostakowitsch und dem Cellokonzert von Tsintsadze. Und eine Widmung für mich mit seiner Unterschrift.
Maximilian Hornungs neueste CD mit Widmung

Oder doch zu einsam?

Aber eigentlich sollte das Wochenende auch im Zeichen vieler neuer sozialer Kontakte stehen. Am Freitagabend war ich nach dem Konzert mit ein paar Orchestermusikern in einer Bar, war sehr lustig, entspannt und lustig. Aber sowohl meine Verabredung für Samstag als auch eine Frühstücksverabredung für Sonntag sagten mir ab.

 

Am Geburtstagsvormittag ging ich dann eben ohne Begleitung Kaffee trinken. Ich komme ja mitunter auch mit mir allein sehr gut zurecht und hatte Lust drauf, es mir dann eben alleine gut gehen zu lassen, statt zuhause der Verabredung hinterher zu trauern. Und wer kann bei heißer Schokolade nicht zufrieden sein? 😉 Erst recht, wenn das zugehörige Café so gemütlich ist wie Crazy Mocha.

 

Heiße Schokolade mit Sahne im Café Crazy Mocha in Pittsburgh.

Aber nach dem Konzert, als meine Arbeit vorbei war, aber der Abend noch so lang, da war ich dann schon sehr traurig. Und sauer auf mich selbst, dass ich niemandem gesagt hatte, dass ich Geburtstag hatte. Nicht, weil ich unbedingt mit irgendwem hätte feiern wollen. Sondern weil ich mir vielleicht nicht so einsam vorgekommen wäre, wenn die anderen einfach nur von meinem Geburtstag gewusst hätten. Mir somit das Gefühl gegeben hätten, mich besser zu kennen. Außerdem hätten sie sich bestimmt für mich gefreut, und ich mich dadurch auch noch mehr.

 

Mit etwas Abstand betrachtet hatte meine Traurigkeit allerdings weniger mit meinem Geburtstag zu tun bzw. der fehlenden Feiergesellschaft, als viel mehr damit, dass ich mich auf neue Freundschaften so sehr gefreut hatte! Endlich sollte es mal losgehen, dass ich Kontakte knüpfe, Freunde finde, das ganze Wochenende verplant habe … Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

 

Ich bin nie allein!

Im Nachhinein hätte ich gern nicht so ein Geheimnis drum gemacht. Hätte, als wir das Wochenende im Meeting geplant haben, einfach gesagt: Am Sonntag ist zwar mein Geburtstag, aber ich arbeite da trotzdem gerne! So hätte jeder Bescheid gewusst, ohne dass es aufdringlich gewesen wäre. Aber das lässt sich jetzt halt nicht mehr rückgängig machen, mein Geburtstag ist eh vorbei.

 

Und mal ehrlich, es war ein wirklich schöner Tag! Angefangen bei der heißen Schokolade, über das Konzert, hin zu einem Geschenkpaket aus der Heimat, vielen Telefonaten und lieben Nachrichten. So vielen Nachrichten, dass ich immer noch nicht alle beantwortet habe, muss ich gestehen. Aber alle haben mir den Tag bereichert.

 

Ich muss nicht gefeiert werden, um einen tollen Geburtstag zu verbringen. Ich will einfach nur das machen, was mich glücklich macht: dort sein, wo Musik gemacht wird, nach Möglichkeit mittendrin. Und die Liebe meiner Familie und Freunde spüren, egal wie weit weg sie im Moment sein mögen. Der perfekte Geburtstag ist für mich also ein ganz normaler Tag. Nichts Besonderes. Und dennoch wunderschön.

 

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